Der Zeichner zum Comic

Howdi.

An einem heißen Sommertag vor vielen Jahren tanzten Knochenmännchen über ein Blatt: Ich zeichnete einen lustigen Totentanz mit einer Feder auf Papier. Ein Totentanz ist ein Bild von tänzelnden Skeletten, die uns sagen, dass alles mal ein Ende hat. Klingt düster, war es aber nicht. Ich gestaltete mein Blatt ganz wohlgemut am Ufer des Lechs.

An diesem Tag fühlte ich mich unsterblich. Und meine gezeichneten Männer wollten auch nicht tot sein – sie tanzten. So bekam eine Totenfigur das Zeichen für die Unendlichkeit auf den Kopf – die liegende Acht. Und darauf setzte ich noch einen kleinen Bogen und schon sah das aus wie ein Cowboyhut. Das Skelett, das nicht tot sein wollte, war also ein magischer Cowboy. Und weil Cowboys im Wilden Westen leben, zeichnete ich daneben einen lachenden Wüstenkaktus. Und darunter schrieb ich, immer schon Fan kindlicher Schreibweise, Kauboi und Kaktus.

Ein harter Knochenmann, der Kauboi, und ein stacheliger Freigeist, der Kaktus, – in beiden Figuren steckte meine Seele, darin fand ich mich wieder. Mit diesen Figuren konnte ich Geschichten erzählen. Und deshalb zeichnete ich neben meinen Totentanz – ohne Vorzeichnung, roh aufs Papier – meine allererste Bildergeschichte mit Kauboi und Kaktus. Eine Geschichte vom Kennenlernen, eine Geschichte vom Beginn einer Freundschaft.

Ich komme aus Niederbayern. Dort gibt es die Redensart „A Gaudi muaß sei!“. Und zwecks der Gaudi zeichnete ich weitere Comics und erfand Stück für Stück die eigenartige Comicwelt rund um die seltsamen Freunde Kauboi und Kaktus. Und ein ureigener Trieb von Künstlern ist es, Gedanken unters Volk zu bringen. Dies gelang mir über meine Homepage, die regelmäßige Veröffentlichug meiner Kauboi-Comics im Stadtmagazin für Niederbayern und Regensburg und durch das Gestalten von elektronischen Postkarten für ZEIT ONLINE.

Irgendwann hörte ich von dem Gewinnspiel „Wünsch dir was du willst“ auf Radio Rockantenne. Ich wünschte mir, dass mein Comic 1.000 mal gedruckt wird. Und – Comic-Zauberei! – ich habe das Gewinnspiel gewonnen. Mein erster Comic-Band „Verreckte Hund´“ erblickte das Licht der Welt und ich war die glücklichste Comic-Nase derselben. Das ganze Comic-Ding lief so gut, dass ich dann noch die Comic-Bände „Schnorcheln ohne Badehose“ und „Zum Teufel!“ im Eigenverlag raushaute.

Unter die Leute brachte ich meine Hefte durch Comic-Parties in meinen Lieblingskneipen. Man bezahlte Eintritt und bekam dafür meine Hefte und ein Fest am Tresen mit Countrymusik bei gekühlten Getränken. Ein professionelles Vetriebs-Unternehmen sorgte nebenbei dafür, dass meine Comics jetzt in allen Comic-Läden der Republik und in ausgewählten Buchhandlungen verkauft wurde.

Die Welt stand nicht still und meine Homepage verwandelte sich zum Web-Comic. Dort veröffentlichte ich nun regelmäßig Bildergeschichten mit YouTube-Musikclips als Soundtrack. Das passte gut, weil ich beim Zeichnen gerne Musik höre. Und jetzt konnten die Besucher meins Webcomics beim Lesen auch Musik hören. SPIEGEL ONLINE kürte meine Seite als einen der 11 besten Web-Comics in Deutschland – als den musikalischen.

Der JAJA-Verlag packte meinen Web-Comic in einen hübsch aufgemachten Comic-Band zwischen schmucke feste Pappdeckel und erfüllte mir damit einen Traum: Mein erstes richtiges Buch. Jede Seite hatte eine Seitennummer und diese Nummer verwies auf die Tracknummer einer Playlist auf SPOTIFY oder YouTube. Somit war ein weiterer Traum Wirklichkeit geworden. Ich hatte das erste Comic-Buch weltweit mit Soundtrack erfunden.

Heute zeichne ich meine erste Geschichte vom Beginn der Freundschaft noch mal. Allerdings nicht auf eine Seite wie damals, sondern auf ganz vielen Seiten. Und ich zeichne die Figuren wieder roh aufs Papier ohne Vorzeichnung. Nur bei den Bildhintergründen gebe ich mir mehr Mühe. Ich fotografiere alte Filme, zerlege die Aufnahmen und baue daraus neue Bilder. Darauf spiegle ich dann meine Figuren und fertig sind die Comics. Hier live im Internet mit Lametta und Musik.

Tschowdi.
Christian Schmiedbauer