Die geflügelten Affen (Seite 15)

Ich, der Comiczeichner, bin also ab nun das Gesicht der Hexe. Ich muss im Namen der Kunst böse sein. Ich liebe die Kunst. Das geschmeidigste an meiner Rolle ist, dass ich die geflügelten Affen losschicken darf. Das ist eine Szene aus dem Zauberer von Oz, die mir als Kind höllische Angst eingejagt hat. Die Kombi aus Affen und Flügeln, das aufgeregte Herumgezappel der seltsamen Primaten oder einfach die schiere Masse der Mischwesen, boah das wirkt noch immer verstörend auf mich. Aber: Mit dem Akt der künstlerischen Verwurstung trete ich nun meinem Trauma entgegen und schließe Frieden mit den Flugaffen. Ich bin ihr Herr (oder ihre Herrin?) und kontrolliere die Tiere. Ich fühle mich mächtig.

Ich bin so mächtig, ich manipuliere Affen. Ich verändere die Geschichte. Ich sabotiere den Zauberer von Oz: Sabotage! Dafür kann es nur einen Song geben: „Sabotage“! Dafür stehen die Beastie Boys, die Helden meiner – gefühlt – noch nicht ganz beendeten Jugend. Am Mittwoch, den 22. Februar 1995, konnte ich die New Yorker Rapper in Riem live erleben. Die Hitze, die Boys und der Sound waren so krass, dass ich das erste mal im Leben das Bewusstsein verlor. Ich wurde unmächtig, äh… ohnmächtig.

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